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Bastille - Doom Days

Schluss mit den Gerüchten und Spekulationen: Bastille werden ihr drittes Studioalbum „Doom Days“ am 14. Juni veröffentlichen! Der Albumtitel mag düster anmuten, doch die Band aus London will mit dem neuen Werk genau genommen ein Zeichen der Hoffnung setzen und klingt dabei sogar noch selbstbewusster als zuvor. Mit dem Song „Joy“ präsentieren die mehrfach Grammy-nominierten BRIT-Award-Gewinner Dan Smith, Kyle Simmons, Will Farquarson und Chris „Woody“ Wood, die wie zuvor mit Produzent Mark Crew gearbeitet haben, schon in dieser Woche eine weitere Single aus Album #3.
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by Virgin (Universal Music)

Verglichen mit dem 2016 veröffentlichten Vorgänger „Wild World“, der neben Platz #1 in UK hierzulande auf die #6 ging, nehmen Bastille auf „Doom Days“ eine neue Perspektive ein, nachdem sie zuletzt globale Entwicklungen und besonders die Entscheidungen der Machthaber hinterfragt hatten. Im Jahr 2018 im eigenen Studio (genannt One Eyed Jacks) im Süden von London aufgenommen, dreht sich der dritte Longplayer um den Wunsch nach Abschalten, nach einer Auszeit von den täglichen Katastrophenmeldungen. Bastille nehmen die Zuhörer*innen daher kurzerhand mit ins Nachtleben, um einfach mal den Kopf freizubekommen: Mal grölt man mit auf der Rückbank, während man von einem Uber-Fahrer durch die Stadt kutschiert wird (das elektrisierende „Quarter Past Midnight“), mal geht’s um die Liebe und die Gesellschaft richtig guter Freunde (ein zukünftiger Klassiker: „4AM“), mal ums Abschleppen („Another Place“) oder auch nur um den Wunsch nach Zweisamkeit gegen Ende der Nacht („Those Nights“). Auch die vielen Fehlentscheidungen, die wir sowohl individuell – z.B. in Beziehungsdingen – als auch kollektiv machen, sind Thema des Albums („Bad Decisions“), das immer wieder aktuelle Fragen aufwirft: Beispielsweise das Gefühl, in einen endlosen Diskurs über die Probleme der Welt verwickelt zu werden, obwohl man doch einfach nur das Beste draus machen, sich einfach mal amüsieren will („Million Pieces“); oder es geht ganz offen um moderne Ängste und Probleme – inklusive Smartphone- und Porno-Sucht, Fake News und Klimawandelleugner (das kompromisslose Titelstück „Doom Days“).

Gerade die Texte von „Doom Days“ klingen sehr viel provokanter als zuvor: Bastille wirken fokussierter, konzentrierter aufs Wesentliche. Und was auf globale Probleme abzielt, funktioniert zugleich auch auf ganz persönlichem, ganz intimem Level. Möglich macht das vor allem das Konzept des Albums: Indem sie eine einzige Nacht als erzählerischen Rahmen des Albums wählen, halten sie der aktuellen Welt einen Spiegel vor und setzen dafür größtenteils auf alltägliche (nächtliche) Situationen, mit denen man sich sofort identifizieren kann.

Mit ihrem einzigartigen Sound zwischen Pop, Indie und R&B – immer leinwandgroß und dermaßen eingängig, dass die intelligenten und nicht selten abgründigen Texte ihren Weg auf jeden Fall ins Gehör finden – sind Bastille zur international erfolgreichsten UK-Band der jüngeren Musikgeschichte avanciert: Über 8 Millionen Alben haben sie seit Anfang des Jahrzehnts verkauft; die Zahl der Streams liegt inzwischen bei über 6,5 Milliarden, weshalb sie permanent in den Top-40 der meistgehörten Künstler bei Spotify vertreten sind. Daheim landeten beide bislang veröffentlichten Alben direkt auf der #1; dazu ging das zuletzt erschienene „Wild World“-Album rund um den Globus in die Top-10. Die 2018 veröffentlichte Single „Happier“ (mit Marshmello), die ein halbes Jahr lang in den Top-10 der US-Hot-100 vertreten war, wurde in UK mit Platin ausgezeichnet; hierzulande gab’s Gold.

Wie zu erwarten, spielen starre Genrekategorien auch dieses Mal keine Rolle für die Londoner: Im Mittelpunkt von „Doom Days“ stehen dann schon eher Stimmungen, Energien, immer neue Einfälle und Exkurse. Selbst Gospel-Elemente, House- und R&B-Anflüge haben ihren Platz, wobei die Arrangements zum Teil auch deshalb so üppig instrumentiert sind, weil die Gospel- und Orchester-Erweiterungen ihrer gefeierten „Re-Orchestrated“-Tour einfach zu umwerfend und inspirierend klangen. Mal introspektiv und ganz persönlich, dann wieder politisch, ist „Doom Days“ zugleich das womöglich tanzbarste Album von Bastille – immerhin basieren Tracks wie „Million Pieces“ und „Nocturnal Creatures“ auf 90s-Breakbeats und UK-Garage-Hooks. Was natürlich auch nicht fehlen darf: die vielen popkulturellen Anspielungen, die kleinen Dialog-Samples, mit denen sie schon die Vorgänger aufgelockert haben. Nicht zu vergessen die vielen Background-Sänger*innen, die diesen kondensierten Ausgeh-Abend mitprägen, indem sie zusammen mit Dan & Co. auf Albumlänge um die Häuser ziehen...

Vor allem feiern Bastille mit „Doom Days“ echte Begegnungen, echte Beziehungen – und fordern einen dazu auf, weiter nach besonderen Momenten zu suchen. Alles beginnt mit einem fliegenden Start – auf der bereits erwähnten Uber-Rückbank – und endet auf dem Küchenboden, von wo aus die heilsamen Klänge der euphorischen neuen Single „Joy“ zu vernehmen sind. Das Telefon klingelt, am anderen Ende: ein besonderer Mensch. Womit sich sogar die Dämonen vertreiben lassen, die der Kater danach (der ewige Kater unserer Ära) mit sich gebracht hatte. „Dieser Hoffnungsschimmer am Ende des Albums, der sagt einfach alles“, sagt Sänger Dan. „Die denkbar kleinste zwischenmenschliche Geste genügt, um einen vor dem Abgrund zu bewahren.“

Auch die Live-Shows zum neuen Album passen zum Konzept von „Doom Days“: Als „apokalyptische Partynacht“ geplant, werden Bastille zunächst DJ-Sets präsentieren und dann den Erzählbogen ihrer dritten LP live nachzeichnen. Aktuell sind diese intimeren Shows jedoch nur in Großbritannien geplant (Tourstart Ende November).