"Street View" – ein Rundum-Blick auf die Straße
Wundern Sie sich nicht, wenn Sie sich schon bald im Internet mitten auf der Straße wieder erkennen. Denn das wird vielen anderen genauso kennen. Schon Ende des Jahres werden Fotos aller Häuser und Straßen in Deutschland im Google-Dienst "Street View" zu sehen sein. Zunächst startet der Kartendienst in 20 Städten zwischen München und Hamburg. Doch wer sein Haus nicht sehen möchte, kann den Ausschnitt schwärzen lassen. Mieter und Hausbesitzer können in einem Online-Formular ihr Gebäude unkenntlich machen, das berichtete der Google-Beauftragte für den Datenschutz in Deutschland, Per Meyerdierks. Die Einwohner dieser 20 Städte haben dann vier Wochen Zeit, um sich gegen die Veröffentlichung der Aufnahmen zu äußern. Sie können nicht nur online Widerspruch einlegen, sondern auch schriftlich in einem Brief. Auf Antrag wird das entsprechende Gebäude mit einer sogenannten "Blurring"-Technik unkenntlich gemacht und nur noch schemenhaft zu sehen sein.
Zusammenarbeit mit Datenschützern
Das Online-Werkzeug für das Einlegen eines Widerspruchs sei zusammen mit dem Hamburgischen Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar entwickelt worden, sagte Meyerdierks. Die Möglichkeit des Einspruchs ist Teil des 13-Punkte-Plans, den Google gemeinsam mit Datenschützern erarbeitet hat. Doch schon während der Planungszeit für "Street View" gab es heftige Kritik. Einzelne Bürger wie kommunale Entscheidungsträger hatten Angst, dass die Fotos im Internet für kriminelle Zwecke missbraucht würden, wie z. B. für Einbrüche. Die Kritik wurde noch lauter, nachdem im Mai bekannt geworden war, dass während der Kamerafahrten für "Street View" auch Daten aus offenen Funknetzen miterfasst wurden, die Google speicherte.
Panoramablick auf Kosten der Privatsspähre
Es mag ja faszinierend sein, deutsche Städte am Computer im Panorama zu sehen. Doch gerade die Tatsache, dass Privates an die globale Öffentlichkeit gebracht wird, löst Kritik aus. Google hat in Gesprächen mit Datenschützern versprochen, bei der Einführung von "Street View" die 13 Punkte einzuhalten. Diese Punkte gehen über die Praxis von "Street View" in 23 anderen Ländern hinaus. Caspar sagte dazu: "Diese Zusage ist kein großzügiges Entgegenkommen, sondern eine von Google übernommene Rechtspflicht." Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte sieht das neue Projekt als überstürzt an. "Die Leute wissen gar nicht, was sie da erwartet". Auch weil die Menschen auf der Straße völlig willkürlich und ahnungslos fotografiert wurden, hagelte es heftige Kritik. Caspar findet es nicht sinnvoll, die Zeit für Widersprüche vor Einführung des Kartendienstes so knapp zu befristen. Auch gebe es keine klare Leitlinie für den Umgang mit den Daten von Widerspruchsführern. Trotz all der heftigen Vorwürfe, will Google den Kartendienst bis Ende des Jahres in Deutschland einführen. Man kann also alles sehen, was auch im echten Leben zu sehen ist. Doch Gesichter von Passanten und Autokennzeichen bleiben unkenntlich. Allerdings kann diese Software nicht alles komplett schwärzen.
Mit einer Anzeigenkampagne will die Internetsuchmaschine für das neue Angebot Werbung machen und dabei auf die Datenschutzbedenken eingehen. Das Unternehmen sieht den Nutzen in "Street View" darin, dass man die Möglichkeit hat, immer vor Ort zu sein, als wäre man selbst gerade dort. "Es ist die Vision von Google, das Internet auf eine Karte zu bringen", sagte der Google-Produktmanager Raphael Leiteritz.
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